• archiv

    http://www.mvregio.de/nachrichten_d/55455.html

    http://www.kiel.de/chiffren/2010/muthesius10.php

    http://www.chiffren.de/2010/muthesius10.php

    http://194.95.111.54/de/termin.php?id=759&d=20

    http://www.muthesius-kunsthochschule.de/de/termin.php?id=933&d=04

    http://loitztv.gen3v.de

    http://www.ln-online.de/regional/segeberg/2764928/Zwei_junge_Malerinnen_und_mehr_bei_der_Osterausstellung.htm

     

     

    "Chiffren"-Ausstellung: Navigieren im Dunkel des Raumes

    Sabine Tholund | kn | 03.02.2010

    Kiel - Videobilder von Monitoren und Großbildprojektionen flimmern durch einen komplett abgedunkelten Raum in der Halle 400, dazu dringen Alltagsgeräusche, Stimmen und Tonfolgen ans Ohr des Besuchers. Im Rahmen des Chiffren-Festivals haben Studierende der Muthesius-Kunsthochschule eine Ausstellung konzipiert, deren Titel sich chiffrenhaft verrätselt gibt. 38966185142 nennen die Studenten der Medienklasse von Arnold Dreyblatt ihre Schau, die sich als interdisziplinäre Erweiterung des Festivals versteht. Während die Klanginstallationen einen direkten Bezug zum Thema herstellen, stehen die Videos und Computeranimationen, sowie einzelne skulptural anmutende Arbeiten als reine Medienpräsentation für sich.

    Flirrende Lichtreflexe entstehen in der Arbeit von Alexandra Rongalli, Studentin in der Medienklasse von Arnold Dreyblatt.

    Flirrende Lichtreflexe entstehen in der Arbeit von Alexandra Rongalli, Studentin in der Medienklasse von Arnold Dreyblatt. Foto: KN-online.de

    http://www.kn-online.de/_em_daten/kn/module/max_lens.gif

    Bild vergrößern

    Insgesamt 13 Arbeiten mit höchst unterschiedlichen Ansätzen verteilen sich im Ausstellungsrund. Im Foyer verblüfft ein Kaugummiautomat mit bunten Kapseln, in denen überraschend geformte Süßigkeiten schlummern(Nora Jacobs) Erzählerisch mit Bildern von Innen- und Außenwelten präsentiert sich eine Projektion im Treppenaufgang(Kristina Mengersen), oben beschwört eine Frau per Videobotschaft mit wechselnder Emphase den Satz: „I wanna be you“(Yasmin Schaffer). Von Monitoren mit zuckenden Lichtblitzen, deren Frequenz via Mikrophon verstärkt wird(Heiko Wommelsdorf), geht es weiter zu nervösen Bildfolgen aus dem Einrichtungshaus - aufgenommen von zwei Studenten, die sich über Nacht bei Ikea einschließen ließen(Semra Henin). Auf eine Krankenliege projiziert, ringt ein Männergesicht unter einer Strumpfmaske mit vier behandschuhten Händen(Nina Resl), in der Ecke saugt ein Deckenfluter mit überlangem „Hals“ das Tageslicht aus dem einzigen Fenster des Raumes(Romina Farkas). „Die Idee ist, dass der Besucher im komplett dunklen Raum zwischen den einzelnen Arbeiten navigiert“, so Dreyblatt. „Das Licht der einzelnen Arbeiten bildet die Choreografie der Schau.“ Der Besuch lohnt sich.

    Halle 400 , Fr+Sbd, ab 15 Uhr, So ab 10 Uhr.

     




    Ausstellung

    „Zimmerservice“

    Hotel Wiking, Schützenwall 1-3, 24114 Kiel

    Eröffnung am Sonntag, den 1.3. 09, 11 – 14 Uhr

    Ausstellung 1.3. – 6.3.2009, täglich von 16 - 18 Uhr

     

    11 Studierende der Medienklasse der Muthesius Kunsthochschule haben mit allen Mitteln der Medienkunst –Fotografie, Video, Klang und Performance –in den Räumen des Hotels, den Zimmern, der Rezeption, den Gängen und dem Aufzug, künstlerische Eingriffe installiert. Diese Eingriffe geben sich jedoch nicht unbedingt sofort als Kunstwerke zu erkennen - sie integrieren sich in das Hotelgeschehen. Es findet keine Dekoration der Räume statt, sondern eine spielerische Untersuchung des Ortes mit allen künstlerischen Mitteln.

     

    Florian Dürrkopf, Janneke Hambücher, Yasmin Schaffer, Stefanie Polek, Eva-Maria Sahle, Aylin Serbay, Joanna Seyda,

    Anne Steinhagen, Jill Teichgräber, Angelika Wischermann,

    Heiko Wommelsdorf

    Performative Kunstführungen von und mit Florian Dürrkopf werden während der Besichtigungszeiten angeboten.

     

     

    Kunst soll Kleinstadt Loitz "wachküssen"

    06.09.2007: Loitz/Kiel/MVregio Wer durch die pommersche Kleinstadt Loitz (Kreis Demmin) geht, denkt nicht an Kunst - bislang jedenfalls nicht.

    Schwere Lastwagen donnern durch enge Straßen an leeren Schaufenstern vorbei. In ehemaligen Betriebe dreht sich kein Rad mehr. Loitz scheint vergessen, die Zeit stehen geblieben. Das wollen Kieler Kunststudenten und ihre Professorin Barbara Camilla Tucholski jetzt ändern. Unter dem Motto "Im Schloss meiner Erinnerung" wird die Stadt an der Peene am 8. September Schauplatz für ein ungewöhnliches, multimediales Kunstprojekt. "Damit könnte der große Traditionsabbruch nach der Wende hier beendet werden", hofft Bürgermeister Johannes Winter (CDU).

    Die Kunst soll Loitz "wachküssen". Ihr einstiges Heimatstädtchen steht dabei für viele Kleinstädte im Osten, meint Tucholski. Orte, in denen die Menschen nach der Wende ihre Perspektiven verloren und häufig wegzogen. "Es gibt keine Zukunft ohne Herkunft", erklärt die 59-jährige Initiatorin des künstlerisch-wissenschaftlichen Projekts "Stadtgestalt - Stadtmythos", das von der Kieler Universität gefördert wird.

    Nach umfangreichen Recherchen in Archiven in Stettin (Szczecin), Greifswald und Braunschweig wollen die Studenten mit Malerei, Installationen oder Musik den Loitzern ihre historischen Wurzeln wieder nahe bringen. So hat Yasmin Schaffer Gegenstände vom Sperrmüll aus Loitz zu Bildern verarbeitet, die Häuser der Altstadt finden sich auf Gemälden wieder und einheimische Frauen schlüpften für Fotos in alte Kleider.

    Zentrum der Aktion wird das Geburtshaus von Barbara Camilla Tucholskis sein - ein ehemaliges Hotel. Die Malerin hatte Loitz schon 1953 verlassen. Sie war in den Westen gegangen und gilt als eine der profiliertesten Zeichnerinnen der Gegenwart. "Ihre Familie hat die Stadt nie vergessen", sagt Bürgermeister Winter nicht ohne Stolz. So kam Tucholski nach der Wende zurück und machte Besuche auch zu festen Studienterminen ihrer Studenten. "Steinbruch, Italien, Loitz", zählt Bildhauer-Dozent Peter-Sebastian Lange die Studenten-Praktika auf.

    In dem geschichtsträchtigen Hotel hat Tucholski einige ihrer rund 7000 Zeichnungen aufgehängt, die faktisch Rundumblicke des jeweiligen Standortes zeigen. Der Betrachter frage sich: "Wo bin ich?" Dann kämen die Fragen: "Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? - Das wollen wir provozieren", erläutert Tucholski.

    Mitten im alten Tanzsaal steht auf uraltem Parkett ein Tüllkleid in den Umrissen der letzten Herzogin von Pommern-Wolgast, Sophia Hedwig, Prinzessin zu Braunschweig und Lüneburg (1561-1631), die in Loitz residierte. An dem Tüllkleid kleben Porträts von Loitzern.

    "Symbol einer positiven Identität des Ortes soll das 1701 bei einem Brand untergegangene Loitzer Schloss der Herzogin sein", erklärt die Malerin. Die Erinnerung an diese Zeit, die das Stadtbild prägte wie keine zweite Ära, sollte zu DDR-Zeiten ausgelöscht werden. Aus der Ruine des Schlosses holten sich Loitzer Steine und bauten damit ihre Häuser. Auf dem Schlossberg entstand in den 1920er Jahre die Stärkefabrik, bis vor wenigen Jahren Hauptarbeitgeber in der 4600 Einwohner zählenden Kleinstadt. "Viele Firmen sind nach der Wende untergegangen, aber die Schließung der "Nordstärke" war ein Wirtschaftsverbrechen", meint der Bürgermeister.

    Die leerstehende Fabrik soll vor allem klanglich in das Projekt eingebunden werden. So treten Musiker in leeren Silos auf sorgen auch für eine Klanginstallation in der riesigen Werkhalle. In der oberen Etage malt Britta Oser an Bildern ihrer "Ballade vom Loitzer Luftschloss". Am 8. September soll das Renaissanceschloss auch noch einmal zu sehen sein: Studenten projizieren es als Bild auf die Peene.

    Die Wirkungen ihres Projektes will Tucholski mit ihren Studenten untersuchen. Eins sei aber schon klar: Es soll auf die existenzielle Situation der bis an den Rand des Vergessens gedrängten Kleinstädte Ostdeutschlands aufmerksam machen und zum geistigen und moralischen Wiederaufbau des Ortes und seiner Bewohner beitragen. "Und die alte Stärkefabrik wäre eigentlich ein idealer Ort für eine Kunstschau - die Loitzer Triennale", sagt sie. Schließlich habe die Kleinstadt ein älteres Stadtrecht als Berlin.

    MVregio Landesdienst mv/dm/dpa